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Es ist das Jahr 2014, in dem vDiva seine neue Band Hell Boulevard aus der Asche von Lost Area erstehen lässt. Am 28.09.2016, drei Vorabsingles (»Hangover From Hell«, »5678 (FuckSexHeavenHate)« und »Love Me«) und erste Live-Auftritte später, erscheint mit »Inferno« das langerwartete Debut-Album der Band.

Das Artwork auf dem Albumcover zeigt einen Erdbrocken, vermutlich herausgerissen aus unserem Planeten und über einer in Nebel gehüllten Stadt schwebend. Auf ihm stehen ein einsamer Baum sowie eine Person, am Himmel darüber ziehen pechschwarze Wolken und die Vögel fliegen aufgeschreckt vorbei. Bereits dieses Szenario verbildlicht eindrücklich den Titel dieses Werkes und stimmt ein auf das, was nun akustisch folgt.

Das weitere Artwork und das Booklet sind zum Zeitpunkt dieser Rezension noch nicht bekannt.


-> Musik:

Love Is Dead
Bereits die ersten Takte des Intros lassen den aufziehenden Sturm erahnen, der sogleich über die Ohren des Hörers hinwegfegen soll. Es dauert nur wenige Sekunden und diese Vermutung bestätigt sich, als der instrumentale Einstieg in einem regelrechten Gewitter gipfelt und somit gebührend das bevorstehende »Inferno« eröffnet.
Der einsetzende tiefe Gesang unterstützt die eingeleitete, düstere Grundstimmung bis hin zum Refrain, der die rockigen Elemente des Songs noch weiter in den Vordergrund rückt. Im Hintergrund begleiten durchgehend einzelne Synthesizerklänge, die den Song zusätzlich vorantreiben und eine eindeutige Richtung vorgeben, in die dieses Album führen soll.

A Lesson In Pain 
Das zweite Stück legt seinen Fokus eindeutig mehr auf einen melodischen Hintergrund und dennoch kommen auch hier die rockigen Gitarren nicht zu kurz. Sowohl Text als auch Melodie des Songs sind sehr melancholisch gehalten und insbesondere der Refrain zieht den Hörer regelrecht in diese Stimmung hinein. Thematisch befasst sich auch dieser Song wie schon der erste des Albums mit dem Thema Liebe und den Schmerz, den sie immer wieder verursacht.

On The Other Side Of Life
Dieses Stück wird eröffnet durch ruhige Pianoklänge, doch der Schein trügt. Denn schon kurz darauf setzen wieder rockige Gitarren ein, die sich lediglich während der einzelnen Strophenparts etwas zurücknehmen. Es folgt ein sehr eingängiger Refrainteil, der ebenfalls verstärkt von Gitarren getragen wird.
Der Song setzt sich textlich mit dem Thema Verlust auseinander. Immer wieder passieren Dinge, die wir nicht begreifen können und wollen, insbesondere, wenn sie unerwartet kommen.

A Beautiful Ending
Dieser Song entfacht sogleich das nächste Instrumentalgewitter und schlägt damit direkt wieder den rockigen Weg ein. Rasant treiben die Gitarren voran, bis vDivas dunkle Stimme einsetzt und sich direkt im Vordergrund mehr Raum verschafft bis hin zum Refrain, um schließlich wieder von den Gitarrenklängen abgelöst zu werden. Im letzten Drittel gipfelt der Song schließlich in seinem Höhepunkt, bei dem Stimme und Instrumente erneut zu einem dramatischen Gewitter fusionieren.

All Iíve Lost
Das rasante Tempo wird wieder zurückgeschraubt und Melodien drängen sich in den Fokus zurück. Daraus entsteht mit »All Iíve Lost« eine starke Midtempo-Nummer, welche auf melancholische Art und Weise auf eine vergangene Beziehung zurückblickt, deren Ausgang man inzwischen sehr bereut.

Living Dead Lover
Vorbei ist die Verschnaufpause, zurück das Tempo. Mit diesem Song geben Hell Boulevard wieder Vollgas. Die rockigen Gitarren, begleitet von starken Synthesizerklängen werden abgelöst durch vDivas hektischem Gesang und bereits hier, aber spätestens mit voranschreitendem Text, wird der ein oder andere sich vielleicht an »The Spell« aus Lost Area-Zeiten erinnert fühlen. Ebenso wie jener Song hat dieses Stück das Zeug dazu, ein Favorit bei Liveshows der Band zu werden und lädt ein zu einer Partynacht, in der man sich keine Sorgen um Folgen oder Konsequenzen macht.

Inferno 
Der siebente Song des Albums ist gleichzeitig der titelgebende. Doch im Gegensatz zu einigen anderen vorangegangenen Stücken kommt »Inferno« im Direktvergleich überraschend »ruhig« daher. Eine eingängige Melodie begleitet Gitarren und Drums bis hin zur ersten Strophe und dem Refrain, in dem sich vDiva stimmlich in Tonhöhen begibt, wie es zuvor selten zu hören war.
»Inferno« setzt sich kritisch mit unserer Welt und der Tatsache auseinander, dass wir in vielen Dingen dabei sind, sie selbst zu zerstören und ruft dazu auf nachzudenken und auszubrechen aus diesem vorgelebten Trott, in dem sich alle einfach stumm immer weiterbewegen.

This Is Me
Die zweite Hälfte des Albums beginnt mit »This Is Me«, DER Ballade des Albums schlechthin und ein Stück, das gerade durch seinen Minimalismus aus allen anderen heraussticht. Lediglich von zaghaften Pianoklängen untermalt trifft die dunkle, warme Stimme vDivas bereits mit den ersten Worten direkt ins Herz und verursacht eine wohlige Gänsehaut. Selbst die einzelnen Streicher, die allmählich hinzukommen und sich schließlich bis zum Refrain zu einem ganzen Orchester zusammenfinden, trüben diese zerbrechlich wirkende, andächtige Stimmung nicht. Stattdessen sorgen sie für ein regelrechtes Feuerwerk an Emotionen und nehmen den Hörer gefangen.

We Love To Hate
Ganz im Zeichen des RockíníRoll geht es weiter mit »We Love To Hate«, einem weiteren sehr gitarrenlastigen Stück. Mit Passagen wie »Is this paradise or hell?« wird das so oft gespielte Spiel mit den Gefühlen des Gegenübers verdeutlicht. In diesem Spiel zwischen Liebe und Hass kann es jedoch letztlich nur einen Gewinner geben.

Freak Parade feat. Chris Harms
Für diesen Song holten sich Hell Boulevard keinen geringeren Gastsänger ins Boot als Chris »The Lord« Harms, der mitunter auch für das Mastering des Albums verantwortlich ist. Die Kombination aus den Stimmen der beiden Sänger klingt besonders harmonisch, fügen sie sich doch in ihrer Klangfarbe perfekt zusammen und so folgt man der Aufforderung »Take your sit and let us play« nur zu gerne. »Freak Parade« ist zweifelsohne eines der rockigsten und kraftvollsten Stücke überhaupt auf dem ganzen Album. Insbesondere die unverkennbaren Growls des Lord Of The Lost-Sängers geben dem Song das gewisse Etwas.
Aufgrund seiner Lyrics wäre dieses Duett durchaus auch als wunderbare Eröffnung einer Live-Show geeignet.

Bad Boys Like Me
Mit »Bad Boys Like Me« folgt ein weiterer starker Rocksong, der speziell im Refrain hohe Ohrwurmqualitäten vorweist. Die Versuchungen, von denen der Song erzählt, werden durch die schnell gesungenen Worte der Strophen bekräftigt. Anschließend folgt der sehr eingängige Refrain, lyrisch nicht minder neckisch und frech gehalten.

Is It The End? 
Mit »Is It The End?« folgt ein Song, der alleine schon wegen seines besonderen Intros aus allen anderen heraussticht. Chorale (Kirchen-)Gesänge sind zu hören, die Glocken eines Kirchturms und die typischen Klänge einer Kirchenorgel, ehe rockige Gitarren wieder die Führung übernehmen. Während der gesamten Spielzeit bewahrt man sich jedoch stets diesen besonderen Klang der Orgel im Hintergrund und auch wird immer wieder Platz für das Schlagen der Kirchturmglocken eingeräumt. Thematisch befasst sich der Song mit der klassischen One Night Stand-Situation.
»Is It The End?« ist definitiv ein weiteres Highlight des Albums, das für Aufsehen sorgen wird.

Yet Iím Here Without You 
Eine Melodie, der man die tiefe Trauer bereits anhört, eröffnet diese dramatische Ballade des Albums, die in ihrem weiteren Verlauf all die gesungenen Worte allein instrumental durch eine gewisse Schwere noch stärker zum Ausdruck bringt. Der Song schließt an die Geschichte von »The Other Side Of Life« an oder aber er geht dieser voraus. Vielleicht tut er in gewisser Weise auch beides. Die Lyrics von »Yet Iím Here Without You« sprechen jedenfalls für sich und bedürfen keiner weiteren Erklärung.

Nothing From You
Mit »Nothing From You« beginnt ein weiterer solider Rocksong, der sogleich mit der gewissen Portion Power einsetzt. Heulende Gitarren leiten den Song ein, nehmen sich aber während der Strophen zeitweise wieder etwas zurück und räumen vDivas Gesang den nötigen Raum ein.

Hangover From Hell 2016
»Inferno« wird abgeschlossen mit dem Song, den wohl jeder, der Hell Boulevard von Anfang an begleitet hat, kennen sollte. Nichtsdestotrotz lohnt es sich absolut, »Hangover From Hell« auf dem Album nochmals besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn man hat die erste Bandveröffentlichung komplett generalüberholt und ihr damit ein neues Gefühl verpasst. Die 2016er-Version verfügt über mehr Power und gerade der Gesang klingt rauer und frecher und gibt den gesungenen Worten damit eine gewaltige Portion mehr Biss.
Ein gelungener und runder Abschluss für eine Rockplatte wie diese.


-> Fazit:
Hell Boulevard liefern mit ihrem Debut »Inferno« ein Album ab, dass sich mit Sicherheit nicht hinter den Szenegrößen der Welt des GothíníRoll zu verstecken braucht. Dass man es hier nicht mit unerfahrenen Musikern zu tun hat, hört man, und entsprechend vielschichtig ist das Ergebnis.
»Inferno« kommt als rundes, großes Ganzes daher, das definitiv seine Wurzeln hauptsächlich in den rockigen Gefilden angesiedelt hat, dabei aber dennoch abwechslungsreich und voller Facetten bleibt. Eintönigkeit sucht man hier vergebens und auch die Balladenliebhaber werden bestens bedient.
Für den Lost Area-Fan (vDivas ehemalige Band) ist dieses Album im Übrigen auch eine definitive Kaufempfehlung wert. Hell Boulevard bewahren sich nicht nur vDivas unverkennbare Stimme, sondern ebenso den düster-rockigen Touch, die leichten Elektroeinflüsse und dieses gewisse Gefühl, das die Songs von Lost Area so sehr ausgemacht hat. Nichtsdestotrotz bringen Hell Boulevard eine ganze Portion mehr Biss mit, klingen insgesamt noch rockiger, frecher und verruchter und schaffen es damit, ihren Sound ein Stück weit abzuheben von Vergangenem.
Abschließend lässt sich sagen, »Inferno« ist ein absolut gelungenes Erstlingswerk und definitiv dafür gemacht, auch bei künftigen Live-Shows hoffentlich sehr bald auf das Publikum losgelassen zu werden.


©Text Sarah 'Greeny'