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(geführt im November 2015)


Könnt Ihr Euch kurz vorstellen für diejenigen, die Euch noch nicht kennen? 

Niklas: Wir sind Erdling. Wir kommen von überall her. Wir sind tatsächlich sehr verstreut. Wir sind eine neue, junge Band. Deutschsprachig. Düsterrock. Und alles andere muss man sich anhören.


Wie seid Ihr auf den Namen "Erdling" gekommen? 

Niklas: wir hatten ein Brainstorming. Was nimmt man für einen Bandnamen? Das ist ja immer so das Ding: es muss zu dir passen, es muss zu deiner Musik passen. Vielleicht willst du ja auch etwas damit aussagen? Es muss aber auch etwas sein, was sich merken kann und am Ende sind wir tatsächlich auf Erdling gekommen, weil wir gesagt haben, es ist eigentlich das, was alles verbindet. Das sind wir alle irgendwie. Wir versuchen, ganz geerdet zu sein; wir versuchen, geerdete Musik zu machen. Wir kommen von der Erde und das ist eigentlich das, was uns alle verbindet. Wir sind alle Erdlinge.


Seit wann gibt es Erdling? 

Neill: Intern seit circa einem Jahr. Da haben Nick und ich uns zusammen getan und ein paar Songs geschrieben und dachten uns: Das ist ganz cool, da machen wir was draus. Dann kamen die beiden Bajuwaren dazu und das Ganze hat dann im Februar einen Namen bekommen und dann sind wir damit an die Öffentlichkeit gegangen. Im Oktober haben wir unsere erste Single "Blitz und Donner" herausgebracht und seitdem gibt's auch was zu hören.


Wir habt Ihr Euch untereinander kennengelernt?

Marco: Neno und ich haben uns 2014 in Nürnberg bei einer Stahlmann Show kennengelernt. Wir standen unbewusst alle vier nebeneinander, Neno und ich kannten uns, Neill und Niklas kannten sich - aber der Rest kannte sich irgendwie nicht.
Neno: Neill und ich hatten Kontakt und dann hieß es eben: Spielst du Gitarre oder so? Ja? Dann komm mal nach Essen!
Neil: Ich hab ihn dann noch gefragt, ob er einen Bassisten kennt. Er meinte dann ja, und ich sagte: Bring ihn halt mit. Dann war Marco auch dabei. Wir haben uns dann tatsächlich alle getroffen und nach einer Stunde schon Fotos zusammen gemacht.


Selfies?? 

Niklas: Nein, mit Fotograf. Wir haben tatsächlich ein bisschen gepokert. Wir haben uns das erste Mal getroffen und auf Verdacht gleich mal einen Fotografen engagiert. Da haben wir das erste Bandfoto gemacht.
Neill: Nik und ich haben uns in der Küche dann nochmal besprochen, und als wir zurückgekommen sind, haben wir dann gesagt, heute haben wir für euch leider keine Rose (Niklas: Oder kein Foto!)
Die Platte haben Nik und ich dann noch allein gemacht und vor der Tour haben wir dann auch das erste Mal zusammen gespielt; ein, zwei Tage vorher. Es hat einfach alles gepasst.
Marco: Man könnte sagen, es war ein Feldversuch. Ein Feldversuch, eine Band zu gründen ohne Proberaum. Ohne zusammen zu musizieren.
Niklas: Wir haben alles auf eine Karte gesetzt.


Wann habt Ihr angefangen Musik zu machen und wie ist Eure Leidenschaft für die Musik entstanden?

Neno: Ganz klassisch mit Akkordeon, was mir aber gar keinen Spaß gemacht hat. Irgendwann habe ich dann zur Gitarre gewechselt. Ich fand's doof, war zu blöd zum Fußballspielen und wollte auch Mädels abkriegen. Und da musste die Gitarre her.
Neill: Ich hab ganz spießig angefangen. Ich bin tatsächlich hier in München geboren und komme auch aus einer Medienfamilie. Mein Vater hat bei der EMI gearbeitet. Ich hab mit vier Jahren ganz klassisch in Schwabing Klavierunterricht bei einer sehr hochnäsigen Lehrerin bekommen namens Frau Bock. Das habe ich ein paar Jahre gemacht. Dann habe ich angefangen zu singen, dann habe ich angefangen, Akustikgitarre zu spielen, dann habe ich E-Gitarre gespielt, dann habe ich Bass gespielt, dann habe ich Dudelsack gespielt. Ich kann jedes Instrument so ein bisschen, dass es reicht, um Songs zu schreiben. So hat sich das entwickelt und ich kam eigentlich nie davon los. Mittlerweile arbeite ich als Tontechniker.
Marco: Mit 13 oder 14 hatte ich die ersten Berührungen mit einer Akustikgitarre, die ich mal geschenkt bekommen habe. Ich hab da einfach drauf rumgeschlagen, es klang richtig schief und irgendwann habe ich mir gedacht, dass ich das mal richtig lernen will. Ich hab ungefähr ein halbes Jahr lang Gitarrenunterricht genommen, hab mich dann bald gelangweilt, denn ich wollte nicht mit "Knockin' on Heavens Door" anfangen, sondern gleich mit Metallica, was aber nicht funktioniert hat. Das ist dann stetig vorangegangen: Gitarre, Bass, Keyboard und auch Gesang. Eigentlich alles querbeet. Ich hab auch immer in Schülerbands gespielt oder in regionalen Bands. Gant klassisch.
Niklas: Ich komme aus einer Musikerfamilie. Meine Eltern sind beide Lehrer für Akkordeon und Keyboard. Da blieb mir nichts anderes übrig, als Musik zu machen. Aber tasten fand ich immer Scheiße und dann hab ich mit knapp sechs Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen. Das mache ich bis heute und es gibt nichts Schöneres.


Gibt es einen Musiker oder Künstler, der Euch besonders inspiriert oder inspiriert hat?

Niklas: Ich glaube, jeder hat so seine Vorlieben, seine Lieblingsband oder seinen Lieblingskünstler. Das ist sehr breit gefächert. Ich bin sehr offen, was das betrifft. Ich bin ein großer Nightwish-Fan. Ich kenne aber auch ganz abgefahrenen Polkabands, die ich total geil finde. Und ich glaube, da zieht jeder so seine Inspiration draus.
Neill: Da sind auch die Sachen, mit denen man groß geworden ist. Ich hab mich immer weniger an Bands, sondern an Produzenten orientiert. Das sind in der Regel die Leute, die die Songs schreiben, die den Sound kreieren. Das hat mich einfach mehr abgeholt. Aber konkret nennen kann ich da jetzt keinen.
Neno: Das ist auch, glaube ich, schwierig. Man orientiert sich eher an dem Sound, den du geil findest. In meinem Fall sind das die typischen 90er-Sachen, die Nu Metal-Geschichten. Aber so zu sagen: der oder war's - eher nicht.
Neill: Also ich finde, John Lennon ist ein großes Vorbild. Definitiv. Vor allem menschlich.
Marco: Johnny Cash.


Im Oktober ist die Single "Blitz und Donner" erschienen und bald kommt Euer Album "Aus den Tiefen". Wann wird das denn veröffentlicht?

Neill: Den genauen Termin kann ich nicht nennen, aber es wird Anfang des Jahres erscheinen1. Es wird nicht mehr lange dauern, wir sind in den Endzügen. Unsere Tracks haben wir fertig. Wir machen ein paar Bonusnummern, um das Ganze noch ein bisschen zu vergolden und dann gehen wir damit raus.
(1Anm. der Red.: Zwischenzeitlich wurde der22.01.2016 als Veröffentlichungstermin bekannt gegeben.)


Könnt Ihr sagen, ob es ein Konzeptalbum wird oder generell etwas zum Album?

Neill: Nein.
Miklas: Warum will eigentlich jeder immer wissen, ob es ein Konzeptalbum wird? Es kam so oft die Frage: Wird es ein Konzeptalbum?
Marco: In dem Bereich sind Konzeptalben eigentlich gar nicht so die Regel.
Niklas: Nein, wird es nicht.
Neill: Wir sind auch keine Fans davon. Und gerade bei einem Debutalbum finde ich es eigentlich wichtig, dass man viele Facetten von sich zeigt und wenn man sich so festfährt auf ein gewisses Konzept, musikalisch gesehen oder auf gewisse Texte, dann - finde ich - macht es das einem unnötig schwer für die Zukunft, weil das ist dann immer das, was die Leute erwarten.
Marco: Ich komme ja eher aus dem Metalbereich und bei vielen Metalbands merkt man, die kommen von dieser Konzeptalbum-Schiene gar nicht mehr weg, denn die Leute erwarten einfach Konzeptalbum für Konzeptalbum und ich denke, es ist auch schwierig für eine Band, immer wieder eine historische Story zu nehmen für ein neues Album und zu sagen, daraus mache ich jetzt ein ganzes Album, in dem angefangen bei Musik über Text der rote Faden durchzieht. Ich denke, jedes Album hat so ein gewisses Grundkonzept, denn der Künstler, der es schreibt, hat ja ein Gefühl von Song zu Song. Einen dünnen roten Faden gibt es sicher immer.


Was macht Euch mehr Spaß: an neuen Songs zu arbeiten oder live zu spielen?

Alle: Live.
Neill: Definitiv. Tatsächlich ist das wie Urlaub, wenn man auf Tour geht, weil es das ist, wofür man die Retour kriegt für das, was man im Studio geleistet hat. Man geht auf die Bühne und die Leute finden im Idealfall die Songs gut und jubeln einem zu. Das ist eigentlich auch die größte Belohnung, die man dafür bekommen kann, das man Musik macht. Im Studio ist es so - gerade beim Songschreiben: man hat einen Song gemacht und findet ihn cool. Dann hört man in tot, dann produziert man ihn, dann wird das noch eingespielt und das noch eingespielt. Dann muss man zum Mixing, dann muss man zum Mastering und das ist eigentlich ein, ich würde sagen sehr mathematischer Prozess. Natürlich macht das auch Spaß und gehört auch dazu, aber live spielen ist definitiv cooler.
Neno: Was man nicht vergessen darf: Als Live-Band bist du unterwegs, bist du zusammen. Viele verwechseln das und haben den Gedanken im Kopf, dass vier oder fünf Leute zusammen im Studio sind und etwas aufnehmen. Das ist heute nicht mehr so. Jeder ist einzeln dort¸ es werden sich Sachen zugeschickt. Es ist, wie Neill sagt, ein mathematischer Prozess. Es ist nicht so, dass es dieses Feeling hergibt, was es live eben gibt. Du willst, dass es knallt. Du willst auf die Bühne, du willst die Songs spielen, du willst, dass es knallt.
Marco: Im Studio ist es oftmals so, dass der eine Musiker dem anderen die Klinke in die Hand drückt. Der eine geht, der nächste kommt. Und wenn man live spielt, sitzt man wirklich mal den ganzen Tag aufeinander. Auch wenn man im Nightliner unterwegs ist. Da sitzt man eben mal 24 Stunden rund um die Uhr. Es ist halt einfach so. Das hat eben mehr Band-Feeling, das Livespielen als jetzt im Studio. Im Studio ist gibt's Recording. Der eine ist mit seinem Part fertig und der andere fängt mit seinem an. Warum sollte Nik noch im Studio sitze, während ich Bass zum Beispiel einspiele. Er würde sich wahrscheinlich totlangweilen. Er geht lieber zu Burger King in der Zeit.
Niklas: Also live ist geil.


Wie muss man sich das vorstellen, wie neue Songs entstehen? Arbeitet Ihr gleich gemeinsam daran oder werden erst Ideen gesammelt und dann zusammengefügt?

Neill: Das ist unterschiedlich. Es gibt keinen festen Workflow. Bei dem Album, was wir jetzt rausbringen werden, ist es so, dass ich von den Songs ein Grundgerüst gemacht habe, d.h. ich hab die Melodien gespielt, die Harmonien, hab Gitarren eingespielt, irgendwelche provisorischen Drums  daruntergesetzt und irgendwas als Platzhalter textmäßig draufgerotzt. Dann hab ich das Nik geschickt und Nik hat erstmal die Drums komplett über den Haufen geworfen und wieder etwas Neues drunter gemacht. So ist es dann entstanden und dann ich hab mir noch einen Text dazu überlegt. Und so haben wir es eigentlich mit jedem Song gehalten. Diese Demo, die wir dann hatten, haben wir dann mit ins Studio genommen und nochmal vernünftig ausgearbeitet. Im Moment ist es so, dass wir tatsächlich schon an der zweiten Platte schreiben und da ist es so, da jetzt Marco und Neno dazu gekommen sind - jeder hat mal eine Idee. Und da haben wir jetzt tatsächlich Web 2.0-mäßig eine Dropbox und jeder schmeißt das da rein und alle hören sich das an und dann wird das ausgearbeitet.
Niklas: Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass wir so große Entfernungen haben. Marco und Neno wohnen hier in Bayern, Neill sitzt im Ruhrpott und ich sitze im Harz. Da trifft man sich nicht eben mal so zum Proben und Jammen. Deswegen läuft das alles so übers Hin-und Herschieben.


Ihr wart ja jetzt mit Unzucht auf Tour und für den Dezember stehen noch drei Termine mit LOTL an. Gibt es schon Tourtermine für 2016? Spielt Ihr bei Festivals? 

Ja, wir haben einen Termin, den wir tatsächlich nennen können. Das ist der Out-Of-Line-Weekender. Da spielen wir im März in Berlin. Es gibt auch noch mehr Termine. Die kommen bald, aber da sagen wir noch nichts dazu.2
(1Anm. der Red.: In der Zwischenzeit wurde bekannt gegeben, dass Erdling vom 22.01. bis 31.01.2016 mit Megaherz auf Tour gehen werden.)
Niklas: ich hab gehört, man kann sich die ergoogeln.
Neill: Wenn man sich ein bisschen im Internet auskennt, kann man was rausfinden. Wir geben dazu eine Stellungnahme, wenn es soweit ist.


Für "Blitz und Donner" habt Ihr mit Chris Harms von LOTL zusammengearbeitet. Könnt Ihr mehr dazu erzählen?

Neill: Ja, das lief eigentlich völlig reibungslos. Ich kenne Chris schon etwas länger. Im Namen meiner alten Band Stahlmann hatte ich mal von Lord oft he Lost ein Remix gemacht und dann hat mich Chris zum Konzert nach Bochum eingeladen, weil er durch die Credits herausgefunden hatte, dass ich den gemacht hatte. Dann bin ich dahin gefahren und hab mich mit Chris auf Anhieb gut verstanden. Er hat gesagt: Es ist cool, was du machst und melde dich, wenn du mal etwas Eigenes hast. Und genau das haben wir gemacht. Als wir die ersten Demos fertig hatten, haben wir die zu Chris Harms geschickt und er hat gesagt "Cool. Ich würde die Platte gerne machen." Und dann sind wir ins Chamäleon-Studio und haben es aufgenommen. Chris glaubte da auch direkt mit daran und hat auch sehr kreativ an der ganzen Platte mitgearbeitet. Es war wirklich sehr, sehr gut. Würden wir auch jederzeit wieder machen.


Von "Blitz und Donner" noch eine Hell Boulevard-Version. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Wir haben das Video mit Matteo gedreht. Nach dem Videodreh habe ich Matteo um drei Uhr morgens angerufen und habe ihn gefragt, ob er ein Remix machen kann. Er sagt, das wär kein Problem und zwei Tage später hatte er ihn. Das war auch völlig unkompliziert.
Bei "Blitz und Donner" hatte ich - auch durch das Video - immer so eine Vorstellung von "Bonnie and Clyde". Ist das die Intention dahinter?
Neill:  Das ist völlig die Idee. Es war von Anfang an tatsächlich die Idee hinter dem Song, als wir ihn geschrieben haben. Es ging wirklich darum, egal was passiert, egal, wieviel Scheiße wir bauen, wir bleiben zusammen und das ist wichtig. Das ist auch die Message von dem Song und genau das wollten wir mit dem Lied auch ausdrücken. Aber es freut mich, dass du es gesehen hast so als Außenstehender. Wir haben uns am Anfang echt ein bisschen Sorgen gemacht, ob man die Story jetzt erkennen kann oder nicht.
Niklas: Es scheint ja zu klappen!

 


Vielen herzlichen Dank für das Interview und die Zeit.
Wir wünschen Erdling viel Erfolg für ihre anstehenden Touren, die Veröffentlichung des ersten Albums und für ihre Zukunft danach.