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Die dreiteilige Konzertreihe »A Night In Hell« machte nach Hamburg am 13.04.2017 in Stuttgart Halt. Bereits durch die drei Übertragungswagen vor dem Club CANN konnte man erahnen, dass an diesem Tag hinter diesen Mauern etwas ganz Besonderes stattfinden würde.

Die Aufschrift »In Loving Memory of Marvin Puchmeier« auf den Werbeplakaten am Eingang, Backstagepässe mit der Ausweisung »Marvins Crew«, die sämtliche Mitarbeiter des Clubs um den Hals trugen und Windlichter mit dem Bild eines jungen Mannes an der Bar und dem Mischpult waren nur weitere kleine Hinweise darauf, dass an diesem Abend hier tatsächlich nicht nur ein einfaches kleines Konzert stattfinden sollte.
Dieser junge Mann, Marvin, war kein geringerer als derjenige, dem dieser besondere Abend zu verdanken war. Zusammen mit seinem Vater rief er das Projekt ins Leben. Doch nur wenige Monate, bevor all die großen Pläne in die Tat umgesetzt werden konnten, kam der junge Veranstalter bei einem tragischen Unfall ums Leben. In seinem Gedenken gaben nun alle Hinterbliebenen und Beteiligten ihr Bestes, um die Vision Marvins Wirklichkeit werden zu lassen.

Aber nicht nur diese kleinen Details waren Besonderheiten des Abends. Ein imposanter Bühnenaufbau eines gigantischen dreidimensionalen Kathedralbaus stellte sowohl für das Publikum als auch für die Musiker ein großes optisches Highlight dar. Kurz nach halb sieben traten aus diesem als Erster Florian Grey, gefolgt von Gitarrist Von Marengo (Hell Boulevard), Drummer Yannik »Rage« Bockelmann (Eyes Shut Tight) und Bassist Julian List heraus, um die Konzertreihe zu eröffnen.
Er begrüßte charmant die Gäste vor Ort und an den Bildschirmen, denn dieses Event wurde weltweit per Livestream.com übertragen! Und es klang wie eine Prophezeiung, die sich in dieser Nacht auch erfüllen sollte, als er mit den Worten abschloss » but we have definitely more fun here, right?« Right! Denn damit begann der für mich persönlich beste Auftritt von Florian Grey, den ich bisher von ihm erleben durfte. Bitte genauso weitermachen!


Für die Nacht in der Hölle hatte er mit »Join Me« und dem Tribut an His Infernal Majesty  kurz H.I.M  auch den perfekten Coversong ausgewählt. Ein großartiges Lied für eine großartige Stimme. »A Black Symphony« aus dem aktuellen Album »Gone« wurde dann bildlich vom passenden Musikvideo begleitet, denn ein Teil des Bühnenaufbaus entpuppte sich als überdimensionale Leinwand. Es war für mich beeindruckend zu erleben, wie akkurat ein Sänger bei einem Liveauftritt auf die Studioversion eines Musikstücks mitsingen kann. Es wirkte beinahe so, als ob Florians Alter-Ego über ihm schwebte. Ein interessanter Effekt. Direkt im Anschluss folgte der Song »The End«, welchen Florian in einer kurzen Ansprache Marvin widmete. Während das melancholische Stück durch den Club hallte, zeigte die riesige Leinwand Fotos, die an den jungen Mann erinnerten.
Als Zugabe wurde noch das Puddle Of Mudd Cover von »Blurry« serviert, womit Florian Grey das Publikum endgültig für sich gewonnen hatte und er sich mit einen großen Knall in Form von Luftschlangen verabschiedete.

Für Drummer Yannik galt es, sich in weniger als einer halben Stunde für den zweiten Akt des Abends fertig zu machen, denn Punkt 20:35 Uhr stürmte er, begleitet von Gitarrist John, Bassist Jolene und Sänger Dirk erneut die Bühne und gemeinsam schleuderten sie den Song ihres aktuellen Musikvideos »The Death Of Art« der Menge entgegen - visuell untermauert durch eine dunkle Maskierung, welcher sie sich bei dem Folgesong »Intensity Of Pain« entledigten. Denn auch die Temperaturen stiegen langsam auf höllische Grade an, was definitiv an der energiegeladenen Performance der Nordlichter lag. Insbesondere Mastermind Dirk bot mit einer Energie die Werke aus 10 Jahren Schaffensphase Eyes Shut Tight wie vom Teufel besessen dar. Und auch Raul Sanchez und John Smith, für den es der vorletzte Auftritt als Gitarrist für diese Combo war, standen dem in nichts nach. Beim Drumsolo von Yannik Rage Bockelmann kam mir gar der Gedanke »Ja wird er denn nie müde bei dem bereits geleisteten Pensum?« Nein! Denn fulminant schlossen er und seine Bandkollegen ihren Auftritt mit »Smells Like Teen Spirit« ab.
Apropos energiegeladenen Performance: diese haute Sängerin Isabele Cristina Soares zuvor noch bei »Watch Me« mal so richtig auf die Bretter. Ihre kräftige, rauchige Stimme bildete mit ihrem Duettpartner eine perfekte Symbiose. Ich hoffe, hiervon noch viele weitere Werke erleben zu dürfen.

Nach einem erneuten sprichwörtlichen fliegenden Wechsel der Musiker verdunkelte sich der Saal, von den Wänden ertönte düster-schöner Klang und der Raum wurde in schummrig-roten Lichtschein getaucht: die Zeit für den Headliner war gekommen. Nahtlos übernahmen Hell Boulevard die aufgeheizte Feierstimmung mit den Kracher »Love Is Dead«, welche über die nächste Viertelstunde ohne Atempause oben gehalten bis zum Herzschmerzsong »Love Me« wurde. Anschließend wurde aber gleich wieder mit »Living Dead Lover« und »A Lesson In Pain« Gas gegeben. Und diese Achterbahn der Gefühle sollte so weitergehen. Denn wer das Debütalbum von Hell Boulevard kennt oder Gast auf ihrer vorangegangenen Akustiktour war, der weiß, dass das Schweizer Musikprojekt auch die sanften Töne perfekt beherrscht. Und so tauschten Dee Dammers und Von Marengo ihre Instrumente gegen Akustikgitarren und begleiteten Sänger vDiva zum gefühlvollen Song »This Is Me«. Anschließend gab es mit »Freak Parade« wieder einen kurzen Abstecher in das andere Extrem, bevor es noch einmal mit »All Ive Lost« richtig emotional wurde. Diesen Song widmete vDiva Marvins Familie und Freunden in Dankbarkeit und Anerkennung.

Generell war es erstaunlich, was »Marvins Crew« hinter den Kulissen da auf die Beine gestellt hatte: eine Lichtshow, welche für jede einzelne Band, für jeden Song individuell abgestimmt war. Dieser beeindruckende Bühnenaufbau und der rasche Bandwechsel. Dazu noch die brillante Akustik, egal an welchem Platz man stand. Nicht zuletzt der Kulissenbau und die Installation der überdimensionalen LED-Wand, deren Möglichkeiten vom Headliner des Abends von allen am besten genutzt wurde. (Kein Wunder, ist doch vDiva durch sein Medienunternehmen Vdpictures quasi vom Fach.) Und last but not least die Liveschaltung via Satellit bis in die USA, Brasilien, China. Hut ab! Zum größten Teil wurde dies auch durch den unermüdlichen Einsatz der Auszubildenden der beteiligten Unternehmen ermöglicht, die diesen Tag in Eigenregie gestalteten. Die Zukunft im Veranstaltungsbereich ist somit gesichert! Marvin wäre zweifelsohne stolz auf das gewesen, was alle Beteiligten an diesem Abend aus seiner Planung heraus auf die Beine stellten.
Als Goodie gab es vor dem Konzertsaal außerdem noch die Shoppingmeile. Da freut man sich als Frau natürlich besonders.

Wer nun das im letzten Jahr erschienene Debütalbum von Hell Boulevard besitzt, für den ist es sicher nicht schwer zu erraten, mit welchem Stück diese A Night In Hell aus Stuttgart abgeschlossen wurde. Und was mich betrifft, kann ich sagen, ja, so einen klitzekleinen »Hangover From Hell« habe ich dann doch bei der anschließenden Aftershowparty im Foyer des Club CANN gehabt, bei den alle drei Sänger des Abends ihre Künste am DJ-Pult präsentierten.

Die dritte und damit letzte Station des »A Night In Hell«-Events wird Köln sein. Was sich die Macher hierfür ausgedacht haben, erlebt man am besten selbst am 26.05.2017 im MTC. Höllisch gute Unterhaltung wünschen wir schonmal vorab!


Setliste Florian Grey:

Nocturne In Es - Strange Ways, Frozen Heart Philosophy - My Fear, Laudanum - Join Me In Death (H.I.M. - Cover) - A Black Symphony -The End - In Control - Blurry (Puddle of Mudd  Cover)-

Setliste Eyes Shut Tight: 

The Death Of Art - Intensity Of Pain - Banished From Paradise - Rain - When I Beat You - All My Sins - You Live Through Me - You Stay Alone - Watch Me (with Isabele Cristina Soares) - Smells Like Teen Spirit (Nirvana - Cover)

Setliste Hell Boulevard:

Love Is Dead - Bad Boys Like Me - 5678 - A Beautiful Ending - Love Me - Living Dead Lover - A Lesson In Pain - Inferno - We Love To Hate - This Is Me - Freak Parade - All Ive Lost - Hangover From Hell


©Text Ginger & Sarah 'Greeny'