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Einnehmende Gitarrenklänge, Melodien tanzend zwischen Härte und Sehnsucht und eine starke Stimme von Frontfrau Lilly Seth, das sind Aeranea auf ihrer neuen EP »The Fading Ones«. Insgesamt wartet die Band mit sechs Songs auf, die dem Hörer das Gefühl vermitteln, auf eine Reise mitgenommen zu werden, teilzuhaben an einer Geschichte von Verlust, Hoffnung und Neuanfang.

Den Anfang bildet »Nothing left«, melodisch eine gute Mischung zwischen treibender Gitarre und sanften Klavierklängen, die sich wunderbar ergänzen, sowie einem einprägsamen Refrain, der schnell zum Mitsingen einlädt. Thematisch ist es für viele nichts Unbekanntes, denn wer hat noch nie jemanden gekannt, der einem nicht gut getan hat? Aus dieser Erfahrung kann man gestärkt hervor gehen, sobald der Kreis durchbrochen und nur noch die Erinnerung übrig geblieben ist.

In »Any other way« wird die Taktzahl etwas härter aufgedreht, aber der Song schließt sich angenehm an. Auch hier stehen Gitarrenriffs im Vordergrund, dieses Mal gepaart mit einem sich gut einbettenden Elektroeinfluss. Beinahe klingt es wie eine Entschuldigung, eine Rechtfertigung, das innere Bedürfnis sich zu erklären, zu zeigen, warum es nur diesen einen Weg gab, auch wenn er einen selbst verletzt. Somit findet Titel 2 der EP wieder mehr Nähe zum Hörer und trifft direkt die eigenen Zweifel, die man von Zeit zu Zeit an sich hegt, ohne sich jemandem zu offenbaren.

Stufenartig geht es weiter, der Folgetitel »The hours of suffering« bekommt eine weitere Priese Elektronik verpasst, ohne dabei auf die bewährten Gitarrensounds zu verzichten. Während die Melodie nahezu dazu auffordert aufzustehen und sich zu bewegen, also mit viel Energie überzeugt, wird man inhaltlich mit Verzweiflung konfrontiert, die schon droht Gewohnheit zu werden, bevor man die Kraft finden kann Hilfe zu suchen. Trotz der härteren Gangart ist dies ein sehr emotionaler Titel, der absolut gelungen ist und das Potential hat, einer der beliebtesten Songs der EP zu werden.

Passend zur Überschrift des vierten Liedes »Silence« fängt die Melodie ruhiger, zerbrechlicher, aber auch düsterer an als seine Vorgänger, sie holt aber nur aus, um die ganze Kraft der Gesangsstimme hervorzuheben.
Lilly Seth zeigt hier, dass ihre Stimme nicht nur dazu gemacht ist, um im Genre mithalten zu können, sondern die komplette Bandbreite von zart über choral anmutenden Klängen bis hart zu bieten hat.
Auch hat die Band hier wieder ein gutes Gleichgewicht zwischen Gitarre und Klavier gefunden und perfekt umgesetzt. Dies ist ein Song voller Schmerz, der es trotzdem schafft, Hoffnung aufkeimen zu lassen.

Nach der kurzen Verschnaufpause legt Aeranea im vorletzten Song »Prayers« wieder richtig los, neue Energie wird freigesetzt, eine mitreißende Mischung aus Schlagzeug und Gitarre, bei der man kaum ruhig sitzen bleiben kann trotz der ruhigen Passagen, die einen schönen Kontrast bildet.
Man gelangt aus Verlust und Schmerz heraus und kommt an eine unterschwellige Anklage, Erkenntnis schwingt mit und frischer Wille. Somit fügt sich der Titel in den vorangegangenen Kreislauf wunderbar ein. Der Song hinterlässt eine leichte Gänsehaut und den Gedanken, dass nicht immer alles ist, wie es erst einmal scheint.

Den Abschluss bildet eine Pianoversion des Titels »Silence«, bei der Aeranea zeigen, dass sie mehr sind als reine Rockröhren. Es geht sanft und eindringlich zu, die Emotionalität trifft den Hörer direkt ins Herz, beinahe automatisch schließt man die Augen und lässt sich fallen. Hier erfährt man einen absoluten Gegensatz zum restlichen Werk, eine völlig andere musikalische Seite wird hier gezeigt. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Klavier und dieses Mal rückt die Gitarre zwar in den Hintergrund, fügt sich aber angenehm ein und wirkt keineswegs fehl am Platz.

Es ist der passende Abschluss einer aufreibenden Reise, der Zeit zum Durchatmen gibt und dem Zuhörer einen Cliffhanger hinterlässt, der neugierig auf mehr macht, der der gut gewürzten EP den letzten Schliff verleiht und letzte Zweifel ausräumt. Aeranea haben hier abgeliefert und brauchen sich vor keinen Genregrößen mit ihrer Scheibe zu verstecken.

Fazit: Für Fans einer starken, weiblichen Stimme und präsenten Gitarrenklängen ein absolutes Muss im CD  Regal! Die Kraft und Energie der Titel schwappen einfach über und entfachen ein inneres Feuer. Definitiv keine EP, um sie in Ruhe auf dem Sofa zu hören, aber ein gelungener Silberling zum Rocken sowohl für Fans als auch Neueinsteiger im Metalgenre.
Es findet sich alles, was eine runde EP braucht: eingängige Refrains zum Mitsingen bis hin zu tiefgreifenden Texten. Dies machte die CD zu einer Scheibe macht, welche in keiner Sammlung fehlen darf.


©Text Ela