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Human, Mensch...der Titel des aktuellen Albums von A Life Divided passt wie die Faust aufs Auge.
Kaum einer der Songs fühlt sich weit weg oder unbekannt an, es geht nicht um Dinge, die man nie selbst
in gleicher oder ähnlicher Form gefühlt hätte oder wünschte, man hätte sie gesagt oder getan,
nur haben wohl die wenigsten so treffende Worte dafür gefunden.
Doch das zentrale Thema zeigt sich auf »Human« in vielen verschiedenen Gesichtern
von anklagend über verzeihend bis bittend.
Das Album ist ein gelungenes, rundes Werk, welches nicht nur Fans des Genres berührt.
Erhältlich ist es als Jewelcase, Limited Edition und Box Set sowie auf verschiedenen Plattformen
als digitale Version.

Der Eröffnungssong »Burst« kommt mit einer zwar einprägsamen, aber mit kleinen
Überraschungen versehenen Melodie daher. Die Musik reicht von weicher Stimmlage über tiefe Gitarrenriffs bis
zu einem beinahe locker wirkendem Elektrosound. Trotz des Facettenreichtums geht der Rhythmus
gleich ins Blut über und wer kennt nicht diese eine Person, von der man hintergangen wurde und
der man nun mal einfach nichts Gutes mehr wünschen kann, wie es in »Burst« der Fall ist.

Als folge man einer Geschichte, schließt sich »The most beautiful black« an.
Elektrolastiger als sein Vorgänger stellt der Song sich als aufbauend, mutmachend dar.
Ebenso eingängig lädt Jürgen Planggers Stimme dazu ein, aufzustehen und sich hinzugeben,
anstatt sich einer Menge anzuschließen und bei dem zu bleiben, was man ist.
Auch hier variiert die Band erfolgreich zwischen mitreißendem Rhythmus und recht ruhig anmutenden
Momenten.

»Inside me« spricht dem Hörer aus der Seele. Wie oft soll man Dinge geben, die man nicht geben kann oder soll mehr Verantwortung tragen, als es möglich ist?
Ein klares Nein an
jeden, der alles von einem verlangen will, egal ob man geben möchte oder nicht! Musikalisch ruhiger,
bekommt die an sich starke Stimme einen angenehm zerbrechlichen Hauch, der für unterschwellige
Gänsehaut sorgt. Man möchte einfach nur zustimmen, wenn es heißt »I don´t wanna be your hero«.

Schneller und impulshafter schlägt dann »Own mistake« auf den Hörer ein. Die Band tanzt hier
erneut auf dem Pfad zwischen Elektro- und Gitarrensounds, ebenso wie Planggers Stimme gekonnt
zwischen den Emotionen wechselt und zeigt, dass er eine große Reichweite abdecken kann.
Wenn man droht alles zu verlieren, egal wie sehr man kämpft, dann ist dieser Ausbruch notwendig und
man möchte endlich wieder an den Punkt kommen, an dem nur noch die eigenen Fehler zählen.
Ein perfektes Lied, um die Anlage aufzudrehen und ein paar Atemzüge, um sich fallen zu lassen.

Ein neuer melodischer Wechsel bringt neue Spannung in die Reise auf dem Album. Melodie und Inhalt scheinen auf den ersten Blick etwas gegensätzlich, aber gerade das bringt
die Botschaft des Liedes treffend herüber.
So erkennt man sich selbst in »Right where I belong« sofort wieder, als man eben
noch nicht wusste, wo man hingehört und an sich zweifelte.

»Just nothing« ist der Titel von insgesamt zwei Bonustracks, die sich nur auf der
Limited Edition von »Human« befinden. Bei Songs fügen sich nahtlos in das Bild der
Scheibe ein und machen die Limited Edition auf jeden Fall zu etwas Besonderem.

»Could you« eröffnet einen Umbruch; ein elektrolastiges, leicht düsteres Intro begrüßt
den Hörer, welches sich mit einer erhebenden Melodie abwechselt und die Hand reicht.
Der aufmerksame Reisende bekommt hier den Wandel des Protagonisten mit und
wieder ist die Situation aus dem Leben gegriffen, was einfach berührt. Man kann sich
mit dem Inhalt identifizieren. Es ist eine wunderbare Umschreibung der Kompromisse, die man
eingeht, wenn man liebt; gelungen untermalt vom Hin und Her der Musik an sich.

In »Drive« widmet sich die Band auf eine Weise dem Thema Reue, die man als stark
und eindringlich bezeichnen kann. Der etwas härtere Rhythmus des Schlagzeugs treibt
einen unermüdlich voran, während Gitarrenriffs dabei unterstützen.
Die Lehre, dass man erst bereut, wenn man verliert, was man hatte, ist hier klar und deutlich, trotzdem so gelungen verpackt, so dass es einer der Songs ist, die am meisten im Kopf bleiben.

Was einem nach der Reue bleibt, ist Ehrlichkeit und eine Entschuldigung. So hat es auch
die Band gehalten und so zart ein Sonnenaufgang anfängt, so ehrlich kommt
»My apology« daher. Nach und nach baut sich die Melodie auf, vom Darstellen der
Situation bis zur offenen Bitte, die man einfach glauben muss.
»My apology« ist ergreifend und kommt dabei ohne Schnörkel oder Schönung aus.

Einem weiteren nur allzu bekannten Gefühl widmet sich »Believe«, wobei es hier nicht
um Glauben direkt geht, sondern um den Unglauben, wenn etwas tatsächlich vorbei ist.
Jeder kennt wohl die kummervolle Stimmung in solch einer Lebensphase, doch klingt
die Mischung aus Schlagzeug, Gitarre und eher zurückhaltenden Elektroelementen
nicht kummervoll, sondern aufständisch, antreibend wie der Moment, kurz bevor man
den Kopf wieder anhebt, um nach vorn zu blicken.

Hier schließt sich der zweite Bonustrack auf der Limited Edition von »Human« an.
Der Titel »Live forever« ist ein weiterer Leckerbissen, welchen man sich nicht entgehen lassen sollte.

»Lay me down« ist die realistische Bitte eines kraftvollen, melodiösen »Vergissmeinnicht«.
Auf der einen Seite ohne Schmerz, auf der anderen Seite aber auch endgültig und neutral stellt
sich hier das Ende eines Abschnittes dar. Erwachsen wird nicht gesagt, dass man alles vergessen
sollte, was einmal war, weil das Ende negativ behaftet ist, viel mehr sollte man gerade nicht
vergessen und sich das bewahren, was man geliebt hat. Auch »Lay me down« baut nach und
nach Spannung auf, Aufbruch, neue Energie, die die Musik wunderbar transportiert.

Zum Abschluss lässt es »A Life Divided« noch einmal richtig krachen mit »Happy end«.
Die Band zeigt hier eindrucksvoll erneut, dass sie die Mischung von rockiger Gitarre, eindringlicher
Stimme und elektronischem Beat perfekt verbinden kann und keine Angst davor hat, auch
choralartige Elemente einzubauen und dem Schlagzeug Raum zu lassen.
Es ist ein Auf und Ab, bei dem es schwer fällt, nur still da zu sitzen. Hier gelangt man an den Punkt,
an dem einem bewusst wird, dass man für ein »Happy end« selbst verantwortlich ist,
und dass man manchmal eben gehen muss, um sich und seine Heimat zu finden.


-> Fazit: Eine Scheibe, die ins Ohr geht, die berührt und in der man sich wieder findet.
Das Werk eignet sich sowohl um allein abzuschalten als auch für eine rasante Autobahnfahrt
oder eine wilde Party.
Die Band hat hier definitiv abgeliefert, ohne sich zu verstellen und haut einem ehrliche, handgemachte
Musik um die Ohren, wie man es sich nur wünschen kann.



©Text Ela